Kinder schützen – Familien stärken!
Ist es nicht wunderbar, dass wir leben dürfen? Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht? Wir möchten Ihnen zeigen, was menschliches Leben bedeutet und warum es wieder unantastbar werden muss. Wir sind überzeugt davon, dass der Lebensschutz ein Anliegen aller Menschen sein sollte. Eine wichtige Voraussetzung für eine kinderfreundliche Gesellschaft sind intakte Familien. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Bedeutung der Familie wieder ins öffentliche Bewusstsein kommt. Wir laden Sie herzlich ein, sich auf unseren Seiten zu informieren.
Ihre


Johanna Gräfin von Westphalen 
Stiftungsvorsitzende

†  21. Januar 2016

30.01.2016

Johanna Gräfin von Westphalen – ein Leben für das Leben - Ansprachen beim Requiem

Ansprache von Manfred Libner, Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben, beim Requiem am 30. Januar 2016 in Meschede

Es war ein Leben für das Leben. Zuerst als Mutter von sechs Kindern und danach im unermüdlichen Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Die Lebensrechtsarbeit beanspruchte viel Zeit und fand in ihrer Familie, besonders auch bei ihrem Mann, geduldige Unterstützung.

Als sie in den 70er Jahren über die Familien- und Elternarbeit in der CDU aktiv wurde, tat sie das aus tiefster Sorge angesichts der neomarxistischen Strömungen, die sich in der Gesellschaft immer rasanter ausbreiteten. Als Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen Meschede wurde sie u.a. mit den existentiellen Problemen von schwangeren Frauen konfrontiert; eine Not, die sie nicht mehr losließ.

1985 übernahm sie für 17 Jahre den Vorsitz der Christdemokraten für das Leben, der politischen Lebensrechtsinitiative, die sich innerhalb der Unionsparteien gegründet hatte. In diese Zeit fiel die verzehrende Auseinandersetzung um die gesetzliche Neuregelung des Abtreibungsparagraphen 218.

Über 27 Jahre leitete sie die von ihr und ihrem Sohn Friedrich Wilhelm 1988 gegründete Stiftung Ja zum Leben, mit der sie alle versammelte, die ihr Anliegen teilten. So konnte die Gräfin nicht nur persönlich helfen, sondern auch wichtige Lebensinitiativen tatkräftig fördern.

Bahnbrechend empfand sie, dass seit 2009 Schwangere in Not aktiv aufgesucht und beraten werden können, nämlich im Internet, in den Chatrooms der Frauenforen. Begeistert übernahm sie deshalb die Schirmherrschaft der Initiative „1000plus“.

In den Kreisen der Lebensrechtsbewegung nannte man sie voll Zuneigung und Respekt nur: „die Gräfin“. Ihr Wirken war ein Segen!

Wie oft hat sich Gräfin von Westphalen selbst zurückgenommen, um ihrem Gegenüber genügend Aufmerksamkeit zu schenken? Sie war äußerst bescheiden und wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Doch mit ihrer natürlichen Autorität war sie stets Vorbild und vermittelte Orientierung.

Immer votierte Gräfin von Westphalen unbeirrt für das Leben und schaffte es durch ihre bezaubernde Ausstrahlung und ihre tiefe Überzeugungskraft, viele Menschen dafür zu motivieren.

Und wenn sie mich jetzt hören würde, dann würde sie mich fragen: „Ach Herr Libner, muss das denn sein?“ Und ich würde ihr antworten: „Ja, liebe Gräfin, es muss sein!“

Was bleibt uns Verwaisten nun zu tun, ohne sie? - Wir alle, die wir die Gräfin kennen, schätzen und lieben, müssen unser hörendes Herz öffnen und uns fragen, wie die Gräfin die Herausforderungen, die auf uns zukommen, meistern würde. Ich weiß, sie ist ein unfehlbarer Kompass. Denn ihr mitfühlendes, großherziges Denken und Handeln war eingenordet auf Jesus Christus und die Muttergottes. So wird die Gräfin uns hier immer begleiten. Und im Himmel haben wir mit ihrer Heimkehr eine starke Fürsprecherin für das Leben gewonnen.

Liebe Gräfin, danke, danke!


 

Ansprache von Gabriele Kuby, Buchautorin und Publizistin, beim Requiem am 30. Januar 2016 in Meschede

 

Wie schön, welche große Ehre, dass ich Johanna, Gräfin von Westphalen, nachrufen darf, hinüberrufen über die Schwelle in die Ewigkeit, über die sie völlig unerwartet in der Nacht des 21. Januar getreten ist, vielleicht von Engeln hinüber getragen.

Was war geschehen?

Johanna hatte sich am 19. Januar einer Hüftoperation in Garmisch unterzogen. Das ist mit 79 Jahren nicht ganz ohne Risiko. Als ihr Sohn sie am Abend des 20. Januar besuchte, war sie fröhlich und gelöst, dass alles so gut verlaufen war. Am nächsten Tag wollte sie aufstehen. Mutter und Sohn sprachen darüber, wie sie ihren achtzigsten Geburtstag am kommenden 24. September feiern sollten. Nein, kein großes Fest, lieber wollte sie mit allen Kindern und Enkelkindern im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit nach Rom fahren. Zwischen zwei Besuchen der Nachtschwester um vier und um fünf Uhr morgens starb sie, vermutlich im Schlaf. Der Sohn fand sie genau so im Bett, wie er sie am Abend zuvor verlassen hatte - mit entspanntem, glücklichen Gesicht.

Wer wünscht sich nicht einen solch federleichten Tod? Aber die Kirche betet: „Herr, bewahre mich vor einem plötzlichen Tod.“ Die Wegstrecke am Schluß, die meistens schwer und leidvoll ist, hat einen tiefen Sinn: Wir können uns noch vorbereiten, Gott und die Menschen um Vergebung bitten und vergeben. Aber Johanna war vorbereitet.

Ihr ganzes Leben war sie Marta und Maria in einem: Maria, die zu Füßen des Herrn saß, auf ihn hörte und später das kostbare Nardenöl über ihm verschwendete, und Marta, die tat, was notwendig war. Johanna hat keine Bekehrung erlebt, denn sie war immer fromm. Mit 15 war sie für ein Jahr in England im Internat, in der Saint Philomena's Catholic High School for Girls. Sie liebte die Schule und erwog, selbst ins Kloster zu gehen. Aber es kam anders: Die geborene Gräfin von Galen heiratete mit knapp zwanzig Jahren Clemens August Graf von Westphalen zu Fürstenberg und war erst 28, als sie bereits sechs Kindern das Leben geschenkt hatte. Fünf müssen nun heute von ihrer Mutter Abschied nehmen. Ihrem ältesten Sohn, Friedrich Wilhelm mußte sie nach einem tragischen Unfall 2001 selbst ins Grab nachschauen. Das war der schlimmste Schlag ihres Lebens. Im Oktober 2014 verlor sie ihren Mann, den sie zusammen mit ihrem ältesten Enkel gepflegt hatte. Seit dem hat sie nur noch nach vorne geschaut – zur ewigen Herrlichkeit in Jesus Christus in der Gemeinschaft der Heiligen. Sechs von ihnen gab sie Heimat in der Schloßkapelle, unter ihnen dem seligen Clemens August Kardinal von Galen, ihrem Großonkel.

Ihn hatte sie noch gekannt. Sie war neun Jahre alt, als er nach der Kardinalserhebung am 16. März 1946 auf dem Domplatz in Münster vor Tausenden von Menschen seine berühmte Dankesrede hielt – um wenige Tage danach zu sterben.

“Der Löwe von Münster“ war das das große Vorbild von Johanna. Es ist ein besonderer Auftrag und auch eine besondere Gnade, wenn ein Familienmitglied sein Leben riskiert hat, um für die Wahrheit und den Menschen einzustehen gegen übermächtigen Staatsterrorismus. Er hielt im Sommer 1941 drei Predigten, die ihn nur deshalb nicht ins KZ brachten, weil Goebbels keine katholischen Märtyrer schaffen wollte. Mitten im Krieg prangerte er die Konzentrationslager an, die Vernichtung sogenannten „unwerten Lebens“ und forderte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29), und „lieber sterben als sündigen“.

In diese großen Fußstapfen trat seine Großnichte Johanna und kämpfte kompromisslos und unbeirrbar für den Schutz des menschlichen Lebens, für die Familie und die Bewahrung der nächsten Generation vor den verderblichen Übergriffen staatlicher Macht. Wer vom gleichen Feuer ergriffen war, konnte mit ihrer rückhaltlosen Unterstützung rechnen. Von Enttäuschungen und Rückschlägen, insbesondere auch im kirchlichen Bereich, ließ sie sich nie entmutigen.

In einem Lied auf die Jungfrau von Orléans, von der Johanna ihren Namen hatte, heißt es:

Strong men were hesitant,                          

the King was afraid,

but every heart was strengthened

by the voice of the maid.

For I will stand alone

pure as a child of the Lord,

yes I will stand alone.

 

Die Kraft schöpfte Johanna aus der Praxis ihres Glaubens: Täglich feierte sie die Heilige Messe und betete den Rosenkranz, den sie immer mit der Anrufung beendete: „Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!“ Immer wieder fuhr sie nach Medjugorje, wo sie sich von der "Gospa" beschenken ließ. Sie war für die Menschen da, die großen und besonders für die kleinen, diente ihnen, sorgte für sie, begleitete Kranke und Sterbende. Wie sie selbst ein Kind Gottes war, so auch jeder, der ihr begegnete. Bis zuletzt hatte sie die Anmut und Beschwingtheit eines jungen Mädchens. Es war schön, ihr zu begegnen, sie war unkompliziert, geradlinig, humorvoll, lebendig, großherzig.

In seinen Pentlinger Predigten hat Joseph Kardinal Ratzinger in Worte gefasst, warum wir froh sein dürfen an diesem Tag, auch wenn ein geliebter Mensch jäh aus unserem Leben gerissen wurde: „Wenn wir Ihm Wohnung bereiten, bereitet ER uns die ewige Wohnung. Indem wir Ihn zu tragen glauben, trägt Er uns... Indem wir Tag um Tag wieder versuchen, uns zu bereiten für Ihn, bereitet Er uns die endgültige Wohnung.“

 

Danke Johanna, Gräfin von Westphalen!

Du bist am Ziel Deiner Sehnsucht.

Wir behalten Dich in unseren Herzen.